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Kurz gesagt: Systemische Beratung ist lösungsorientiert, denn:
So benannte Bernd Isert 1998 ein Buch von Joseph O'Connor und Ian McDermott. Lösungsorientiert bedeutet, weniger das Problem zu wälzen, sondern sich daraus zu ent-wickeln. Im Folgenden wird systemische Beratung im Kontext dessen skizziert, was kennzeichnend für systemisches Handeln und systemisches Denken ist. Der Beitrag ist eine Kurzfassung aus Bernd Iserts "Wurzeln der Zukunft" , erschienen 2000 zu Lebensweg-Arbeit, Systemaufstellungen und systemischer Veränderung, wo er sich auf die beiden Autoren bezieht: Die Natur als komplexes Gesamtsystem bildet Einheiten oder Organismen, deren Teile eng zusammenwirken und die ein neues Ganzes bilden Können: ein Verband von Zellen, ein Mensch, eine Familie, eine Organisation, ein Biotop, die Erde... Korrigierendes Feedback gleicht Abweichungen aus, hält eine bestehende Balance aufrecht, so dass wir es auch als stabilisierendes Feedback bezeichnen können, u.a. schützt es uns davor, gefährliche Grenzen zu überschreiten, oder es bremst uns deswegen schon zuvor. Verstärkendes Feedback unterstützt das auslösende Ereignis oder die bisherige Handlung. Wer Sinnvolles getan hat wird Gutes ernten, Lohn, Gewinn... So ist es möglich, noch besseres zu tun und noch mehr zu ernten. Oder, in der anderen Richtung, In der Arbeit mit Menschen streben wir Veränderungen an, die es Möglich machen, weitere positive Veränderungen zu vollziehen, die weitere positive Entwicklungen ermöglichen, wodurch sich ihr Leben so verändert, dass sie spiralförmig in eine immer Verstärkendes Feedback ist zwar die Quelle des Wachstums, doch nicht für immer und ewig. Wer unentwegt hart arbeitet spürt irgendwann auch die Grenze seines Körpers, so wie in der Wirtschaft das Wachstum auch immer wieder irgendwann auf Grenzen stösst. Respektieren wir die Grenze oder erweitern wir sie? An dieser Schwelle angelangt kann es das Anliegen von Veränderungsarbeit sein, Menschen auf das überschreiten einer solchen Schwelle vorzubereiten, um auf eine höhere Integrationsebene im eigenen System zu gelangen: Bausteine bilden ein Haus, Individuen integrieren sich zu einem Team, unterstützt von einem Coach. Als Ergebnis vieler Einzelprozesse können sich Metasysteme bilden. Durch korrigierendes Feedback, Versuch und Irrtum, durch ständige Erweiterung und Verbesserung dessen was gelingt, erwirbt der Lernende in seinem System ständig mehr Wissen und neue Fähigkeiten, um die Lücke zwischen dem Soll- und dem Ist-Zustand (das sog. Problem) zu schliessen und zu lösen. Eventuell verändert er auch die Struktur des Systems und damit dessen bestehende Wirkungszusammenhänge. Die meisten Handlungen haben, abhängig von den Verbindungswegen innerhalb des Systems, mehr als eine Wirkung, und oft zeigt erst die Zeit, was wohin Gefährt hat. Wer die Struktur und den Prozess eines Systems wahrnimmt, kann derlei natürlich rechtzeitig erkennen. Was im System entstanden ist, sucht sich zu stabilisieren oder gleicht unerwünschte Veränderungen durch korrigierendes Feedback aus, denn Systeme sind in der Lage, ihre innere Organisation in Anpassung an die Umwelt oder ihre innere Entwicklung zu verändern, was wir Selbstorganisation nennen. Nur gelingt sich nicht immer und nicht überall. Da ist Unterstützung von aussen willkommen, in unserem Fall durch Coach oder Organisationsberater. Höhere Organisationsformen sind ein Weg, die Herausforderungen des Lebens zu meistern. Was sich nicht bewährt, wird wieder verändert. Nicht nur, was stark ist, hat gute Bewährungschancen. Im Gegenteil: inflexible Stärke bricht leicht (eine Erfahrung, die in mancher fernöstlicher Kampfkunst nachzuvollziehen ist). Chancen hat, was für das System nützlich ist und sich mit anderen ergänzt. Verbindungen bestimmen die Struktur eines Systems und ermöglichen das systemische Zusammenspiel seiner Elemente (wie Menschen, Erfahrungen, Sinne, Zeiten, Ideen, Völker u.a.) Der Einfluss eines Elements im System hängt davon ab, wie viele und wie starke Verbindungen es zu anderen Elementen hat. Wer etwas bewirken oder verändern will, braucht Einfluss, zumindestens auf einen Teil des Systems, der Einfluss hat. Systemische Veränderungsarbeit ist mehr als die Arbeit mit Familien und Gruppen, sie findet statt sowohl innerhalb wie zwischen den Menschen, zwischen Coach und Klient, zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Was miteinander verbunden ist, bietet auch Ansatzpunkte für Veränderungen. Jedes System hat seine besonders wirksamen Hebel, die oft durch Impulse von aussen bewegt werden, neue Gedanken, Erkenntnisse Erfahrungen, ein neues Verhalten. Wir können an der Gestaltung erwünschter Prozesse innerhalb einer gegebenen Struktur arbeiten, oder auch die Struktur des Systems verändern: Verbindungen schaffen oder Lösen, Positionen verändern, Brücken bauen zwischen gegenwärtigen und vergangenen Erfahrungen.... Systemische Veränderungsarbeit kann sich von der Fussmassage bis zur Gestaltung von Unternehmenstrukturen erstrecken. Entscheidend ist das Bewusstsein dessen, wie das eine auf das andere wirkt. Dem Coach stehen unterschiedliche Ansatzpunkte und Hebel zu Verfügung, etwas für das gesamte System zu tun. Er fragt sich, welcher Hebel als Auslöser dienen könnte, etwas zu verändern. Sobald die relevanten Anteile des Systems aufgefunden und in ihrer Bedeutung geachtet wurden, stellt sich die Frage, welcher Veränderungsschritt für das gesamte System den höchsten Nutzen bringen Würde. Jeder angebotene Veränderungsschritt, der in die richtige Richtung führt, wird durch einen Zugewinn an Energie, Motivation, Wohlgefühl oder Lebendigkeit belohnt. Und oft ist es alles gemeinsam. Als Beteiligte oder Verwickelte eines Systems sind wir oft zu betriebsblind und den Prozessen des Systems ausgesetzt, die uns zwar verständlich erscheinen mögen, uns aber oft nicht verändernd handeln lassen. Wer so ein System von aussen beobachtet hat bei angemessener Distanz ganz andere Möglichkeiten und kann Einfluss nehmen, womit er dann in einer systemischen Verbindung zu diesem System steht. Ein neutraler Begleiter und Coach hat es leichter, derartige Prozesse zu erkennen - und den Suchenden Lösungen finden zu lassen. Systemisches Denken und Handeln beginnt also mit der Erforschung von Struktur und Wechselwirkung des Systems. Wir können dies tun, indem wir den Prozess des Systems beobachten und indem wir seine Elemente und Beziehungen untersuchen, und die Reaktion des Systems auf probeweise Einwirkungen testen, z.B. durch neue Verhaltensweisen oder die probeweisen Veränderungen von Positionen. Doch müssen wir uns die Zeit nehmen, den Wirkungsverlauf abzuwarten und uns vor vorschnellen Schlussforderungen hüten. Manches verschlimmert sich gar erst, bevor es sich verbessert. So gesehen ist systemische Beratung eben systemisches Handeln als aktives Einwirken auf das, was im System geschieht - zu diesem oder jenem möglichst guten Zweck. Einflussnehmen erfolgt in einem Prozess des Folgens und Führens, der dem Tanz *) gleicht. Wer der Bewegung des Systems folgt, sich ihr angleicht, kann an passenden Stellen jene Impulse setzen, die es schrittweise in eine neue Richtung bewegen. Ein Steuermann sollte nicht gegen, sondern nur mit den Strömungen arbeiten.
*) Auf dieser Einschätzung basiert auch mein Konzept von bewegungsorientiertem Coaching für Veränderung: in Bewegung zu kommen, innere wie äussere, und Kommunikation als einen Tanz zu erleben und zu gestalten.
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gestaltung: h. betzold, lauf |